IRAN: IRANERIN ZÜNDET SICH WEGEN STADIONVERBOT SELBST AN UND STIRBT

Iranische Fußballfans demonstrieren während der Fußballweltmeisterschaft 2018 in Russland gegen das Stadionverbot gegen Frauen im Iran (St. Petersburg, 15. Juni 2018) © Lukasz Laskowski/PressFocus/MB Media/Getty Images

Der schockierende Tod von Sahar Khodayari zeigt die Auswirkungen der Missachtung der Frauenrechte im Iran

Fußballfan Sahar Khodayari wollte nur ihren Lieblingsverein live im Stadion sehen – doch im Iran ist es Frauen verboten, Fußballstadien zu betreten. Die junge Frau wurde am Eingang festgenommen und später angeklagt. Ihr drohten bis zu sechs Monate Gefängnis. Aus Protest zündete sie sich nach einem Gerichtstermin selbst an. Nach einer Woche erlag sie im Krankenhaus ihren Verletzungen.

Philip Luther, Direktor für den Bereich Mittlerer Osten und Nordafrika bei Amnesty International, erklärt dazu:

„Was mit Sahar Khodayari passiert ist, ist grauenhaft und zeigt die Auswirkungen der entsetzlichen Verachtung der iranischen Behörden für die Rechte der Frauen im Land. Ihr einziges ‚Verbrechen‘ war es, eine Frau in einem Land zu sein, in dem Frauen eine im Gesetz verankerte Diskriminierung erfahren, die sich in der grausamsten Weise auf jeden Lebensbereich auswirkt – sogar auf den Sport.

Soweit wir wissen, ist der Iran weltweit das einzige Land, das es Frauen verbietet, Fußballstadien zu betreten und das Zuwiderhandlungen bestraft. Dieses diskriminierende Verbot muss umgehend aufgehoben werden. Die internationale Gemeinschaft, darunter auch der Weltfußballverband FIFA und die Asiatische Fußballkonföderation, müssen sofort aktiv werden, um auf die Aufhebung des Verbots hinzuwirken und sicherzustellen, dass Frauen ohne Ausnahme zu allen Sportstadien Zugang haben und dafür weder strafrechtlich verfolgt noch bestraft werden.

Die iranischen Behörden haben zwar einigen Frauen bei wenigen Gelegenheiten den Zugang zu Fußballstadien gestattet. Doch dies ist nur eine Public-Relation-Maßnahme und kein sinnvoller Schritt in Richtung der Abschaffung des Stadionverbots. Amnesty International ist der Ansicht, dass Sahar Khodayari noch am Leben wäre, wenn es dieses drakonische Verbot und das folgende Trauma ihrer Festnahme, Inhaftierung und Strafverfolgung nicht gegeben hätte. Sahar Khodayari darf nicht umsonst gestorben sein. Ihr Tod muss eine Veränderung im Iran bewirken, um weitere Tragödien in Zukunft zu verhindern.“

Hintergrund

Im März 2019 widersetzte sich die 29-jährige Sahar Khodayari dem Frauenzugangsverbot zu Fußballstadien. Sie verkleidete sich als Mann und versuchte, in das nationale Fußballstadion des Irans in Teheran zu gelangen. Sie wollte sich das Spiel der asiatischen Champions League zwischen ihrem Lieblingsverein Esteghlal und Al-Ain aus den Vereinigten Arabischen Emiraten ansehen. Als Sicherheitskräfte entdeckten, dass sie eine Frau war, wurde sie daran gehindert, das Stadion zu betreten. Sahar Khodayari wurde daraufhin im Gefängnis Shahr-e Rey (auch als Gharchak bekannt) inhaftiert. Die Haftanstalt ist eine ehemalige Hühnerfarm, in der mehrere Hundert Frauen, die wegen Gewaltverbrechen verurteilt sind, in überbelegten und unhygienischen Zellen sitzen. Zwei Tage später wurde sie gegen Kaution freigelassen.

Amnesty International wurde berichtet, das Sahar Khodayari am 2. September vor das Revolutionsgericht in Teheran vorgeladen wurde. Wegen ihres Versuchs, in das Azadi-Fußballstadion zu gelangen, war gegen sie Anklage erhoben worden. Ihr wurde zur Last gelegt, „öffentlich einen sündige Tat begangen zu haben… indem sie in der Öffentlichkeit ohne Schleier auftauchte und Beamte beleidigte“. Das Verfahren  wurde vertagt. Als Sahar Khodayari das Gericht verließ, überschüttete sie sich mit Benzin und setzte sich vor dem Gebäude in Brand. Nach Angaben von Krankenhausbeschäftigten erlitt sie an 90 Prozent ihres Körpers Verbrennungen. Am 9. September erlag sie ihren schweren Verletzungen.

Ihre Geschichte hat im Iran und weltweit viel Aufmerksamkeit erregt. In der Politik, dem Sport und anderen Gesellschaftsbereichen mehren sich die Stimmen, die das Stadionverbot für Frauen kritisieren.

 

Quelle: amnesty.de

12. September 2019