25.11.2018 Internationaler Tag gegen Gewalt gegen Frauen: SOLIDARITÄTSAKTION MIT DEN FRAUEN IN NIGERIA

NORD-OST-NIGERIAS FRAUEN: STATT SCHUTZ VOR BOKO HARAM VOM MILITÄR MISSBRAUCHT

Tausende Frauen und Mädchen haben Boko Haram überlebt, nur um von den ni-gerianischen Sicherheitskräften, die sie schützen sollen, erneut missbraucht und misshandelt zu werden. Viele sind von Si-cherheitskräften in Militärlagern im Nordos-ten Nigerias weiter misshandelt und ausge-beutet worden. Unter Androhung von Ge-walt und im Tausch gegen Nahrung wur-den Hungernde zu Sex gezwungen.

Zum internationalen Tag gegen Gewalt gegen Frauen können Sie sich mit den Betroffenen solidarisch zeigen. Unsere Gruppe hat dazu Materialien vorbereitet.

Unter Androhung von Gewalt und im Tausch gegen Nahrung wurden Hungernde zu Sex gezwungen. Der Amnesty-Bericht „They betrayed us“ zeigt, wie das nigerianische Militär und die mit ihm verbündete Miliz „Civilian Joint Task Force“ (JTF) Frauen von ihren Männern trennte und sie in entlegene Camps sperrte, um sie dort zu vergewaltigen.

Amnesty International hat zudem Beweise gesammelt, dass seit 2015 tausende Menschen in den Militärlagern im Bundesstaat Borno verhungert sind.
Es ist absolut schockierend, dass Menschen, die bereits so viel unter Boko Haram gelitten haben, weitere grausame Misshandlungen durch das nigerianische Militär erdulden mussten“, sagt Osai Ojigho, Direktorin von Amnesty International Nigeria.

In den letzten Jahren hat das nigerianische Militär intensive Operationen durchgeführt, um Gebiete wiederzuerlangen, die unter die Kontrolle der bewaffneten Gruppe Boko Haram geraten waren. Aber anstatt hunderttausende Menschen, die in diesen Gebieten gefangen waren, zu befreien, mussten Überlebende nur noch mehr Gewalt und Missbrauch erfahren. Manche Frauen sind besonders gefährdet, misshandelt zu werden, weil ihre Ehemänner weggebracht wurden. Diese hatte man automatisch verdächtigt, Boko-Haram-Kämpfer zu sein, weil sie Männer eines bestimmten Alters waren.

DIE FRAUEN WEHREN SICH

 

Aber eine Gruppe vertriebener Frauen, die sich KNIFAR-BEWEGUNG nennt, setzt sich für Gerechtigkeit und für die Freilassung ihrer Männer ein. Die Gruppe von etwa 1.300 Mitgliedern hat eine Liste von Namen von fast 800 Menschen aus ihren Dörfern gesammelt, die an Hunger und Krankheit bei der Vertreibung gestorben sind. Sie haben sexuelle Gewalt, begangen vom Militär und zivilen Milizen im Lager, gemeldet. Die Gruppe legte einem Untersuchungsgremium des Präsidenten ausführliche Aussagen von Zeugen und Zeuginnen über die Vergehen vor, denen sie ausgesetzt waren, doch der Bericht wurde nicht veröffentlicht.

Wenn wir Druck auf den Präsidenten ausüben, den Bericht zu veröffentlichen, ist ein großer Schritt in Richtung Gerechtigkeit getan. Fordere Gerechtigkeit für die Opfer von Gewalt durch Boko Haram und die nigerianischen Behörden! Regierungsbehörden dürfen nicht hilflose Menschen misshandeln und ihnen Gewalt antun.

  • Unsere Gruppe hat eine PETITION vorbereitet, die Sie unterzeichnen und weiterreichen können!
  • Das KURZDOSIER kann zur Information ausgedruckt und ausgelegt werden, z.B. an einem Informationsstand.
  • Ebenso können die FALLBEISPIELE vorgestellt werden.

(Die Materialien sind im Rahmen der „16 days of activism“ bis einschließlich den 10. Dezember 2018 einsetzbar.)

FALLBEISPIELE

AMA, 20 JAHRE
VERGEWALTIGUNGSOPFER

Die zwanzigjährige Ama (nicht ihr richtiger Name) sagte Amnesty International, dass sie im Bama Krankenhaus vergewaltigt wurde, nachdem sie Essen von einem zivilen JTF-Mitglied angenommen hatte, das sich daraufhin zur „Bezahlung“ berechtigt fühlte.

Sie sagte Amnesty International:
Sie (die Soldaten und die Zivilisten der JTF) geben dir Essen, aber abends, gegen 17 Uhr oder 18 Uhr kommen sie zurück und sie werden dir sagen, dass du mit ihnen mitgehen sollst. Einer (der JTF) kam und brachte mir Essen. Abends kam er zurück, aber ich versteckte mich. Am nächsten Tag sagte er, ich solle Wasser von ihm holen [und ich ging hin]. Er schloss die Zelttür hinter mir und vergewaltigte mich. Er sagte, ich habe dir diese Dinge gegeben, wenn du sie willst, müssen wir Ehemann und Ehefrau sein.

 

AIYA,
OPFER DES NIGERIANISCHEN MILITÄRS

Als sich die Armee [unserem Dorf in der Nähe von Banki Town Ende 2015] näherte, eröffneten sie das Feuer und töteten alle, die in Panik flohen. Sie interessierten sich nicht dafür, wer wir waren und dass wir nicht zu Boko Haram gehörten. Sie töteten fünf Menschen… Unter den Toten waren mein Ehemann und eine meiner Töchter… Ich floh mit meiner überlebenden Familie und anderen aus meinem Dorf nach Kamerun. Die kamerunische Armee brachte uns nach Banki. Von hier aus nahm die nigerianische Armee uns Frauen getrennt mit ins Lager von Bama [Bama Krankenhaus]. Sie nahmen 30 Frauen, keine Männer. Wir wissen nicht, was sie mit den jungen Männern gemacht haben, wir haben sie nie wieder gesehen. Es gab kein Essen im Lager des Bama Krankenhauses. Der Hunger tötete so viele Menschen.

Aiya konnte das Lager von Bama Mitte 2016 endlich verlassen, als eine humanitäre Organisation begann, das Lager zu besuchen und eine Evakuierung aus medizinischen Gründen für sie und ihre überlebende Familie arrangierte. Drei ihrer Kinder litten an schwerer Unterernährung.

KUSAM, 30 JAHRE
BINNENVERTRIEBENE

Die dreißigjährige Kusam (nicht ihr richtiger Name) floh mit ihrer Familie, nachdem sie eine Warnung der Regierung über Radio gehört hatte. Bei der Ankunft in der Stadt Bama wurden sie ins Bama Gefängnis für ein „Screening“ gebracht.

Sie berichtete Amnesty International:
Wir lebten im Dorf Gala Kura. Boko Haram sagte, dass wir gehen und ihnen in den Busch folgen sollten. Wir wollten nicht, denn wir hatten unsere Felder bestellt und warteten auf die Ernte. Wir haben gesagt, dass wir bis dahin nicht gehen können. Aber Boko Haram hat uns immer wieder gesagt, dass wir gehen müssen. Im Radio hörte ich, dass die Regierung sagte, jede*r müsse sein Zuhause verlassen und in die Lager kommen. Sie sagten, dass alles bereit ist und auf uns wartet – dass es Nahrung und Schutz gäbe…. Von unserer Stadt aus gingen wir nach Ombasheer [eine Stadt in Kamerun]. Die [kamerunischen] Soldaten dort haben uns nach Banki [eine Stadt in Nigeria] gebracht, von Banki brachten uns nigerianischen Soldaten ins Gefängnis von Bama. Wir waren drei Tage lang [für das Screening)] dort. Dann brachten sie mich und die Kinder zu dem Lager in Bama. Mein Mann war bis zum Bama-Gefängnis bei uns. Dann kam er nicht mit uns [zum Lager im Bama Krankenhaus]. Ich weiß nicht, wo er ist. Wir waren eine große Gruppe, die aus unserem Dorf zum Bama Gefängnis kam. Ich weiß nicht, wie viele es insgesamt waren, aber ich weiß, dass 43 Männer aus unserem Dorf in Haft sind, da ich eine Liste gemacht habe. Sie nahmen alle jungen Männer zwischen 14 und etwa 40 Jahren mit. Wir haben sehr in Bama [Krankenhaus Camp] gelitten, sie haben uns nur einmal am Tag morgens Essen gegeben und dann nichts mehr von da an.

WEITERE MATERIALIEN PASSEND ZUM AKTIONSTAG

Diese allgemeineren Materialien könnt ihr ebenfalls für diese Aktion und ähnliche einsetzen:

  • Stickerkarte Frauenrechte zur allgemeinen Verwendung; verfügbar gegen einen Unkostenbeitrag von 3,- € für Verpackung und Versand zu beziehen über Maria-Teresa Amarante (siehe Intranet). [Stand: 2018]
  • A1 Poster „Stoppt Gewalt gegen Frauen“ in zwei verschiedenen Ausführungen Version 1 und Version 2 zum Selbstdruck oder gegen einen Unkostenbeitrag von 3,- € für Verpackung und Versand zu beziehen über Maria-Teresa Amarante (siehe Intranet). [Stand: 2018]

 

Haben Sie Fragen zur Aktion und/oder unseren Materialien? Dann nehmen Sie mit uns Kontakt auf.

 

 

21. November 2018