PAKISTAN: ASIA BIBI IN GROSSER GEFAHR

Asia Bibi im Gefängnis in Sheikhupura (Archivaufnahme vom 20. November 2010)

Die Christin und Landarbeiterin Asia Bibi wurde 2010 wegen Blasphemie zum Tode verurteilt. Der Oberste Gerichtshof Pakistans sprach sie kürzlich von allen Anklagen frei, doch jetzt gab die pakistanische Regierung den Forderungen eines gewalttätigen Mobs nach: Sie hinderte Asia Bibi daran, das Land zu verlassen und wies den Obersten Gerichtshof an, das Urteil zu überprüfen. Helfen Sie Asia Bibi und setzen Sie sich bis zum 18. Dezember 2018 für ihren Schutz ein.

ZUR SACHLAGE:

Asia Bibi (auch als Asia Noreen bekannt) hat die letzten acht Jahre im Todestrakt verbracht und darauf gewartet, dass ihr Rechtsmittel die pakistanischen Gerichte durchläuft. Asia Bibi wurde im November 2010 wegen Blasphemie zum Tode verurteilt. Sie soll den Propheten Mohammed beleidigt haben, als sie Kolleginnen Wasser anbot. Diese lehnten mit der Begründung ab, dass das Wasser einer Christin „unrein“ sei. Pakistanische Christ_innen in Punjab, woher auch Asia Bibi stammt, werden immer noch mittels des Kastensystems und auch aus religiösen Gründen diskriminiert, da viele von ihnen in früheren Generationen Dalits waren, die zum Christentum konvertierten. Dalits galten im Kastensystem als „unberührbar“. Drei Jahre nachdem der Oberste Gerichtshof Pakistans Asia Bibis Rechtsmittel zugelassen hatte, sprach er sie am 31. Oktober 2018 aus Mangel an Beweisen von allen Vorwürfen frei. Nach Verkündung des Urteils brachen in pakistanischen Großstädten gewaltsame Proteste aus, bei denen gewalttätige Mobs Straßen blockierten und Fahrzeuge in Brand setzten. Der Premierminister Imran Khan sagte daraufhin im Fernsehen, dass das Urteil aufrechterhalten werde und verurteilte die Gewalt. Doch als die Proteste anhielten machte seine Regierung zwei Tage später einen Rückzieher. Eine Delegation der Regierung trat in Verhandlungen mit führenden Mitgliedern der Partei Tehreek-e-Labbayk, die diese Proteste angeführt hatte, und stimmte zu, dass Asia Bibi die Ausreise verweigert wird und der Oberste Gerichtshof einen „Antrag auf Überprüfung“ anhören wird, mit dem ihr Freispruch aufgehoben werden soll. Bislang wurde kein Datum für die Überprüfung festgelegt und Asia Bibi befindet sich weiterhin im Gefängnis. Das Leben von Asia Bibi und ihrer Familie ist in großer Gefahr, da sie weiterhin bedroht werden. Asia Bibi wurde bereits vor dem Urteil des Obersten Gerichtshofs von Mitgefangenen angegriffen. Wenn das Urteil des Obersten Gerichtshofs überprüft wird, droht ihr die Hinrichtung. Und sollte sie freigelassen werden, schwebt sie in Lebensgefahr, da der Mob verhindern will, dass sie das Land verlässt.

FORDERUNGEN VON AMNESTY INTERNATIONAL ZU DIESEM FALL:

  • Aufrechterhaltung von Asia Bibis Freispruch, ihre umgehende Freilassung und sichere Ausreise in ein anderes Land, in dem sie Asyl beantragen kann
  • Schutz hoher Justizbeamt_innen und andere Amtsträger_innen vor Drohungen und Gewalt der Protestierenden
  • Aufhebung der Blasphemiegesetze und andere Gesetze, religiöse Minderheiten diskriminieren und ihr Leben in Gefahr bringen

Weitere Informationen zum aufsehenerregenden Fall von Asia Bibi und Hinweise wie Sie sich einsetzen können, finden Sie hier.

Und weitere Eilaktionen finden Sie wie immer hier.

8. November 2018